Schminktipps

Sinnlose Schminktipps, oder: Gedanken über Frösche, Alice Cooper und Pastellfarben…

Nachdem Frau im Jahr 2008 in jedem Modemagazin erklärt bekam, dass sie sich ohne perfekt hingehauchte Smokey Eyes von jedem gesellschaftlichen Event fernzuhalten hätte, lesen wir im Januar 2009, dass wir uns „nude“ zu schminken hätten. Mit beigem Lipgloss, zartrosa Lidschatten und unsichtbarer Foundation. Klingt gut. Klingt unkompliziert. Doch dann! Im Februar 2009 die Frühlingsbotschaft: „Nude“ sei nur korrekt in Kombination mit Knallfarben. Orange oder Froschgrün auf den Lidern und Fuchsia auf den Wangenknochen. Bitte?! Welche Schminktipps sind nun korrekt?

Gut, nehmen wir an, wir würden uns mit Amphibien und Obst im Gesicht arrangieren wollen. Die wichtigere Frage lautet: Was wollen uns die Stylisten mit solchen Anweisungen sagen?

Wir wissen seit Pretty Woman, dass Rothaarige mit buntem Make-up den Charme einer Wasserleiche versprühen, mit warmen Herbstfarben dagegen umwerfend aussehen. Während dunkelhaarige Wintertypen mit Magenta einen Schneewittchenteint bekommen. Wir haben gelernt, dass es Jahreszeiten-Typen gibt, welche Haar-, Augen- und Hautfarben dazugehören, und welche Make-up-Farben „richtig“ sind. Und weiter?

Smokey Eyes sind schön, keine Frage. Diese zarten, verwischten Linien in aschgrau, die nach außen hin ausgeblendet werden und zum Brunch ebenso passen wie zum Bundespresseball. Vorausgesetzt, man hat viel Zeit. Denn diesen Look muss man üben. Wer ihn das erste Mal ausprobiert, lernt: Smokey Eyes sind oft nur eine Kleenexpackung vom Alice Cooper Ähnlichkeitswettbewerb entfernt. Und jetzt also auch in Signalfarben Grün, Orange und Pink?! Gibt es irgendwen, der solche „Empfehlungen“ ernst nimmt?

Merke: Die Realität sieht anders aus. Eine hellhäutige Brünette, die an einem Dienstagmorgen keine Lust auf vorschriftsmäßig defensives Make-up hat, malt sich einen tiefschwarzen Kajalstrich, grünen Glitzerlidschatten und lackroten Lippenstift ins Gesicht, kombiniert graue Herrenhosen zum schwarzen Rolli und zeigt der Stylingwelt gutgelaunt den Stinkefinger. Das Leben ist zu kurz.